Wenn Metall- oder Holzbohrer nur noch quietschen, kaum Späne erzeugen und an der Spitze glühen, sind sie meist nicht verbraucht, sondern stumpf. Beim Schleifen von Bohrern lässt sich die Schneidengeometrie vieler HSS-Spiralbohrer von Hand wiederherstellen – auch mit einem Akku-Rotationswerkzeug und einem passenden Schleifstift. Entscheidend sind dabei nicht möglichst viel Materialabtrag, sondern der richtige Spitzenwinkel, eine gleichmäßige Bearbeitung beider Schneiden und eine ausreichende Kühlung.

Für klassische HSS-Spiralbohrer zur allgemeinen Metallbearbeitung beträgt der Standard-Spitzenwinkel 118°. Beim Nachschärfen müssen außerdem die Freiflächen hinter den Hauptschneiden abfallend geschliffen werden. Nur dann kann die Schneidkante wieder in den Werkstoff greifen, ohne dass die Rückseite der Bohrerspitze unnötig reibt.

Woran erkennen Sie einen stumpfen Bohrer?

Ein stumpfer Bohrer kündigt sich oft an, bevor die Bohrung vollständig misslingt. Beim Ansetzen steigt der erforderliche Druck, der Bohrer greift schlechter und es entstehen weniger oder keine gleichmäßigen Späne. Stattdessen reibt die Schneide stärker am Werkstoff.

Typische Anzeichen sind:

  • hohe Reibung und ungewöhnlich hoher Vorschubdruck;

  • quietschende oder kreischende Geräusche;

  • eine Bohrerspitze, die schnell heiß wird oder glüht;

  • kurze, ungleichmäßige Späne oder gar kein Span;

  • eine sichtbar verrundete oder ausgebrochene Hauptschneide;

  • ein Bohrloch, das aus der Mitte läuft oder deutlich größer wird.

Glüht die Spitze bereits nach kurzer Zeit, sollten Sie den Bohrer nicht einfach weiterverwenden. Die Hitze kann die Härte des HSS-Stahls beeinträchtigen. Prüfen Sie außerdem, ob der Bohrer nur stumpf oder bereits stark beschädigt, verbogen oder an der Schneide ausgebrochen ist. Größere Ausbrüche lassen sich mit einem manuellen Schleifstift meist nicht sinnvoll korrigieren.

Die Geometrie der Bohrerspitze verstehen

Beim Nachschärfen müssen Sie nicht den gesamten Bohrer neu formen. Bearbeitet werden vor allem die Flächen hinter den beiden Hauptschneiden. Um den Schleifvorgang richtig zu führen, sollten Sie die wichtigsten Bereiche der Spitze unterscheiden können.

Die Hauptschneiden liegen an den beiden schrägen Schneidkanten der Bohrerspitze. Sie tragen den größten Teil des Materials ab und müssen nach dem Schleifen gleich lang und möglichst symmetrisch sein. In der Mitte verbindet die Querschneide beide Hauptschneiden. Sie schneidet nicht wie eine normale Außenkante, sondern drückt zunächst Material aus dem Zentrum der Bohrung.

Der Spitzenwinkel beschreibt den Winkel zwischen den beiden Hauptschneiden. Bei einem klassischen HSS-Spiralbohrer beträgt er 118°. Das ist ein verbreiteter Kompromiss für allgemeine Bohrarbeiten in verschiedenen Werkstoffen. Ein Bohrer, der ursprünglich einen anderen Spitzenwinkel oder einen speziellen Anschliff besitzt, sollte nicht ohne Weiteres auf 118° umgeschliffen werden.

Hinter jeder Hauptschneide liegt die Freifläche. Diese Fläche muss von der Schneidkante aus nach hinten abfallen. Dieser Freiwinkel verhindert, dass die Rückseite der Bohrerspitze auf dem Werkstoff reibt. Wird die Freifläche zu flach geschliffen, entsteht zwar scheinbar eine scharfe Kante, der Bohrer läuft aber heiß und greift schlecht. Wird zu viel Material abgetragen, verändert sich die Spitze und verliert ihre ursprüngliche Geometrie.

Welchen Winkel muss man beim Bohrer schleifen einhalten?

Für einen HSS-Bohrer mit 118° Spitzenwinkel muss jede Hauptschneide ungefähr die Hälfte dieses Gesamtwinkels bilden. Beim manuellen Schleifen bedeutet das: Die beiden Schneiden werden symmetrisch zu einer gedachten Mittellinie der Bohrerspitze geführt. Der exakte Winkel hängt dabei von der Position des Schleifstifts und der gewählten Handführung ab. Wichtiger als eine scheinbare Genauigkeit beim Halten ist die gleichmäßige Form beider Seiten.

Der Spitzenwinkel ist nicht dasselbe wie der Freiwinkel. Der Spitzenwinkel formt die Vorderseite der Bohrerspitze und bestimmt die Lage der beiden Hauptschneiden. Der Freiwinkel entsteht durch das Absenken beziehungsweise Zurücknehmen der Fläche hinter der Schneidkante. Diese Fläche muss sichtbar von der Schneidkante weg zurückfallen, damit sie beim Bohren nicht aufliegt.

Bei Bohrern für bestimmte harte oder zähe Werkstoffe können andere Spitzenwinkel vorgesehen sein. Ein 135°-Anschliff für Edelstahl ist deshalb nicht automatisch ein Fehler. Entscheidend ist, die ursprüngliche Bohrergeometrie möglichst zu erhalten, anstatt jeden Bohrer nach demselben Muster zu schleifen.

Das brauchen Sie zum Nachschärfen

Für das händische Nachschärfen mit einem Akku-Rotationswerkzeug benötigen Sie eine stabile Arbeitsumgebung und einen Schleifstift, der zum HSS-Stahl passt. Korund-Schleifstifte eignen sich für den Materialabtrag an den Schneiden und Freiflächen. Siliziumkarbid-Schleifstifte können je nach Ausführung ebenfalls für entsprechende Schleifarbeiten eingesetzt werden.

Das Fanttik F2 Master Set kann dafür interessant sein, wenn Sie unterschiedliche Schleifstifte für feinen und kontrollierten Materialabtrag zur Hand haben möchten. Entscheidend ist nicht allein das Set, sondern dass der eingesetzte Stift fest im Spannfutter sitzt und zur vorgesehenen Anwendung passt. Informationen zu den verfügbaren Schleif- und DIY-Werkzeugen finden Sie in der Kollektion für innovative DIY-Werkzeuge.

Zusätzlich gehören zur Vorbereitung:

  • eine Schutzbrille gegen Schleifstaub und feinen Funkenflug;

  • eine kleine Schale mit Wasser zur Kühlung;

  • ein sauberer, gut beleuchteter Arbeitsplatz;

  • gegebenenfalls eine Lupe für kleine Bohrer;

  • eine Möglichkeit, die Spitze nach dem Schleifen von mehreren Seiten zu betrachten.

Tragen Sie beim Schleifen von Metallbohrern zwingend eine Schutzbrille. Feiner Schleifstaub und Funken können in die Augen gelangen. Arbeiten Sie außerdem nicht mit einem locker sitzenden Bohrer oder Schleifstift. Entfernen Sie vor dem Einschalten des Rotationswerkzeugs alle Gegenstände, die sich in der drehenden Aufnahme verfangen könnten.

Schritt für Schritt: HSS-Bohrer mit dem Schleifstift schleifen

1. Bohrer und Schleifstift vorbereiten

Reinigen Sie den Bohrer zunächst von Öl, Spänen und Anhaftungen. So erkennen Sie die vorhandene Schneidenform besser. Spannen Sie einen geeigneten Korund- oder Siliziumkarbid-Schleifstift fest in das Akku-Rotationswerkzeug ein und prüfen Sie im ausgeschalteten Zustand, ob er rund läuft und nicht seitlich wackelt.

Beginnen Sie mit niedriger Drehzahl und geringem Druck. Ein kleiner Schleifstift trägt an einer engen Kontaktstelle schnell Material ab. Hohe Drehzahl und kräftiges Andrücken können die Spitze unnötig erhitzen oder die Schneide verrunden.

2. Die vorhandene Schneidenform betrachten

Bevor Sie schleifen, betrachten Sie die Bohrerspitze von vorn. Merken Sie sich, wie lang die beiden Hauptschneiden ungefähr sind und wo die Querschneide liegt. Bei einem nur leicht stumpfen Bohrer sollte möglichst wenig Material entfernt werden.

Wenn eine Seite deutlich länger oder stärker beschädigt ist, müssen Sie nicht automatisch die intakte Seite stark abschleifen. Arbeiten Sie schrittweise und kontrollieren Sie nach wenigen Schleifbewegungen, ob sich die Symmetrie verbessert.

3. Eine Freifläche nachziehen

Führen Sie den Schleifstift an die Freifläche hinter einer Hauptschneide. Die Schneidkante selbst soll die vorderste, scharfe Grenze bleiben; der Schleifstift bearbeitet hauptsächlich das Material dahinter. Halten Sie die Orientierung so, dass die Freifläche von der Schneidkante weg leicht abfällt.

Arbeiten Sie mit kurzen, kontrollierten Bewegungen und nur leichtem Druck. Versuchen Sie nicht, die komplette Spirale zu bearbeiten. Ziel ist, den verschlissenen Bereich hinter der Hauptschneide zurückzusetzen, bis wieder eine durchgehende Schneidkante entsteht.

4. Die Spitze regelmäßig kühlen

Tauchen Sie den Bohrer während des Schleifens regelmäßig in Wasser. Warten Sie nicht, bis sich die Spitze sichtbar verfärbt oder glüht. Gerade bei kleinen Durchmessern gelangt die Wärme schnell in die Schneidzone.

Das Wasser dient der Abkühlung des Bohrers, nicht der Kühlung des laufenden Schleifstifts. Führen Sie den Bohrer vom Rotationswerkzeug weg, bevor Sie ihn in das Wasser tauchen. Verwenden Sie keinen beschädigten oder stark verfärbten Bohrer für anspruchsvolle Arbeiten, wenn die ursprüngliche Härte nicht mehr zuverlässig einzuschätzen ist.

5. Die zweite Schneide spiegelbildlich bearbeiten

Drehen Sie den Bohrer und bearbeiten Sie die gegenüberliegende Freifläche in gleicher Weise. Wechseln Sie lieber häufig zwischen den beiden Seiten, anstatt eine Schneide vollständig fertigzustellen und erst danach die zweite zu bearbeiten.

So können Sie Länge, Form und Abtrag besser vergleichen. Die beiden Hauptschneiden müssen möglichst gleich lang sein und auf gleicher Höhe liegen. Eine asymmetrische Spitze kann beim Bohren seitlich ausbrechen, unrund laufen oder ein zu großes Loch erzeugen.

6. Querschneide und Spitzenwinkel kontrollieren

Nach dem Nachziehen beider Freiflächen betrachten Sie die Bohrerspitze frontal und seitlich. Die Hauptschneiden sollten eine klare, gleichmäßige Linie bilden. Der Spitzenwinkel darf nicht versehentlich spitzer oder stumpfer werden, weil eine Seite stärker abgetragen wurde.

Die Querschneide muss mittig zwischen den Hauptschneiden liegen. Sie muss bei einem einfachen Nachschärfen nicht vollständig neu gestaltet werden. Ist die Mitte jedoch stark beschädigt, die Spitze sehr kurz geschliffen oder ein spezieller Kreuzanschliff erforderlich, stößt die händische Bearbeitung mit einem kleinen Schleifstift an ihre Grenzen.

Der Bohrtest: Gleichmäßige Späne sind entscheidend

Eine scharfe Spitze allein garantiert noch keine gute Bohrung. Prüfen Sie den nachgeschärften Bohrer zunächst an einem geeigneten Reststück des Materials und sichern Sie Werkstück und Bohrmaschine entsprechend.

Setzen Sie den Bohrer gerade an und arbeiten Sie mit moderatem Vorschub. Achten Sie darauf, ob beide Hauptschneiden gleichmäßig ins Material greifen. Bei einer symmetrischen Spitze entstehen möglichst gleichmäßige Späne von beiden Seiten. Zieht der Bohrer zur Seite, vibriert er stark oder erzeugt er eine deutlich ungleichmäßige Spanbildung, sollten Sie die Spitze erneut kontrollieren.

Auch die Temperatur ist ein wichtiger Hinweis. Der Bohrer darf bei normalem, passendem Vorschub nicht sofort übermäßig heiß werden. Wird er schnell warm, kann das an einer noch stumpfen Schneide, einer falschen Geometrie, zu hohem Druck, fehlender Kühlung oder einem ungeeigneten Bohrer für den Werkstoff liegen.

Bohren Sie nicht einfach mit mehr Kraft weiter. Hoher Druck ersetzt keine scharfe Schneide und kann die Spitze erneut überhitzen. Prüfen Sie außerdem Drehzahl, Werkstoff, Bohrerschmierung und die sichere Befestigung des Werkstücks.

Häufige Fehler beim Schleifen von Bohrern

Der häufigste Fehler ist ein zu hoher Materialabtrag. Wer die Spitze zu lange an den Schleifstift hält, verändert den Spitzenwinkel und verkürzt den Bohrer unnötig. Besser sind mehrere kurze Schleifintervalle mit Kontrolle dazwischen.

Problematisch ist auch eine gerade oder sogar nach vorn ansteigende Freifläche. Die Schneidkante kann dann nicht frei schneiden, weil die Fläche dahinter auf dem Material reibt. Halten Sie die Freifläche deshalb abfallend, ohne die Schneidkante zu stark auszudünnen.

Weitere typische Fehler sind:

  • eine Seite deutlich länger zu schleifen als die andere;

  • den Bohrer während des Schleifens nicht zu drehen;

  • mit zu hoher Drehzahl und starkem Druck zu arbeiten;

  • die Kühlung zu vernachlässigen;

  • die ursprüngliche Geometrie eines Spezialbohrers zu verändern;

  • einen stark ausgebrochenen oder verbogenen Bohrer retten zu wollen.

Bei sehr kleinen Bohrerdurchmessern ist das manuelle Nachschärfen besonders anspruchsvoll. Wenn Sie die Schneiden nicht mehr sicher erkennen können oder die Symmetrie nicht kontrollieren können, ist ein Ersatzbohrer oft die verlässlichere Lösung. Für größere Durchmesser wird die Geometrie zwar sichtbarer, der erforderliche Materialabtrag kann aber ebenfalls umfangreicher sein.

Wann der Schleifstift die richtige Wahl ist

Ein Akku-Rotationswerkzeug eignet sich vor allem für kleine Korrekturen, beschädigte Teilbereiche und das kontrollierte Nachziehen von Freiflächen. Es ist handlich und kann auch für weitere Werkstattaufgaben eingesetzt werden. Die Präzision hängt jedoch stark von Ihrer Handführung, der Sicht auf die Spitze und der konsequenten Kontrolle ab.

Ein stationäres Bohrerschärfgerät oder eine passende Schleifvorrichtung ist eine andere Produktklasse. Sie kann die Winkelhaltung erleichtern, ist aber nicht Gegenstand dieser Anleitung. Beim händischen Schleifen zählt daher besonders, die Form nicht nach Gefühl in einem langen Arbeitsgang zu verändern, sondern in kleinen Schritten zu arbeiten.

Das Nachschärfen lohnt sich vor allem bei Bohrern, deren Schneiden nur stumpf oder leicht verrundet sind. Bei tiefen Ausbrüchen, Rissen, Verformungen oder deutlichen Anlauffarben sollten Sie den Bohrer kritisch aussortieren. Ein wieder scharf wirkender Bohrer ist nicht automatisch geometrisch korrekt oder für jede Anwendung geeignet.

Nach dem Schleifen: sauber lagern und passend einsetzen

Entfernen Sie Schleifstaub vom Bohrer und lassen Sie ihn vollständig trocknen, bevor Sie ihn einlagern. Bewahren Sie unterschiedliche Bohrertypen getrennt auf, damit Schneiden nicht aneinanderstoßen. Beim nächsten Einsatz sollten Sie weiterhin den Werkstoff, den Bohrerdurchmesser und die empfohlene Arbeitsweise berücksichtigen.

Für regelmäßige Bohrarbeiten kann außerdem ein passender Bohrschrauber die bessere Ergänzung sein. Drehmoment, Drehzahl, Bohrfutter und die Wahl des Bohrers müssen zur Aufgabe passen. Eine Übersicht geeigneter Geräte finden Sie in der Kollektion der Bohrschrauber.

Die wichtigste Kontrolle in einem Satz

Beim Schleifen von Bohrern müssen die beiden Hauptschneiden symmetrisch bleiben, der Spitzenwinkel des ursprünglichen Bohrers erhalten werden und die Freiflächen hinter den Schneiden leicht abfallen. Arbeiten Sie mit wenig Druck, kühlen Sie den HSS-Bohrer regelmäßig und überprüfen Sie das Ergebnis anschließend über die Spanbildung – nicht nur über das Aussehen der Spitze.

Häufig gestellte Fragen

Welchen Winkel muss man beim Bohrer schleifen einhalten?
Ein klassischer HSS-Spiralbohrer für allgemeine Metallarbeiten hat meist einen Spitzenwinkel von 118°. Beim Nachschärfen müssen beide Hauptschneiden symmetrisch zu diesem Winkel wiederhergestellt werden; zusätzlich muss die Freifläche hinter jeder Schneide leicht abfallen.

Kann man Bohrer mit einem Schleifstift nachschärfen?
Ja, stumpfe HSS-Bohrer können für kleinere Korrekturen mit einem passenden Korund- oder Siliziumkarbid-Schleifstift am Akku-Rotationswerkzeug nachgeschärft werden. Dafür sind eine ruhige Handführung, geringe Anpresskraft, regelmäßige Kühlung und eine Kontrolle der Schneidensymmetrie erforderlich.

Warum glüht der Bohrer beim Bohren?
Glühen kann durch stumpfe Schneiden, zu hohen Druck, eine ungeeignete Drehzahl, fehlende Kühlung oder einen nicht passenden Bohrer entstehen. Ein Nachschärfen behebt nicht automatisch jede Ursache; prüfen Sie deshalb auch Werkstoff, Bohrerdurchmesser und Arbeitsweise.

Was passiert, wenn die Freifläche falsch geschliffen wird?
Ist die Freifläche nicht nach hinten abfallend, reibt die Rückseite der Spitze am Werkstoff. Der Bohrer schneidet dann schlecht, wird heiß und erzeugt möglicherweise keine gleichmäßigen Späne.