Ob Sie ein Auto sicher anheben können, entscheidet sich vor dem ersten Pumpen. Wagenheber, Untergrund, Fahrzeug-Aufnahmepunkt und Sicherung müssen zusammenpassen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, bleibt das Fahrzeug am Boden.
Vor dem Anheben: die Stop-Entscheidung
Prüfen Sie diese Punkte, bevor Sie den Wagenheber unter das Auto schieben:
- Fahrzeug: Die Betriebsanleitung nennt die zulässigen Aufnahmepunkte und die dafür vorgesehene Vorgehensweise.
- Wagenheber: Tragfähigkeit und Bauart passen zum Fahrzeug; das Werkzeug ist unbeschädigt und sauber.
- Aufnahmepunkt: Die markierte oder beschriebene Stelle ist eindeutig erkennbar und für genau dieses Fahrzeug freigegeben.
- Untergrund: Der Boden ist fest, eben, nicht glatt und nicht geneigt.
- Sicherung: Feststellbremse, Getriebestellung und Unterlegkeile sind entsprechend der Fahrzeuganleitung vorbereitet.
- Arbeitsziel: Für einen kurzen Radwechsel ist der Wagenheber vorgesehen; für Arbeiten unter dem Fahrzeug stehen geeignete Unterstellböcke bereit.
- Fluchtbereich: Niemand befindet sich im Fahrzeug oder in dem Bereich, in den das Auto oder der Wagenheber bei einem Abrutschen gelangen könnte.
Wenn Sie den Aufnahmepunkt, die Tragfähigkeit oder die Stabilität des Bodens nicht sicher beurteilen können, heben Sie nicht an. Ein allgemeines Bild aus dem Internet ersetzt nicht die Anleitung Ihres konkreten Fahrzeugs.
Die richtige Information hat Vorrang
Die Unterstützungshierarchie ist eindeutig: Zuerst gilt die Betriebsanleitung des Fahrzeugherstellers, danach die Anleitung des verwendeten Wagenhebers. Eine allgemeine Darstellung zu Wagenheberpunkten darf diese Angaben nicht überstimmen.
Viele Fahrzeuge haben markierte Aufnahmestellen am Schweller oder am Unterboden. Je nach Modell können dort jedoch Aussparungen, Verstärkungen oder spezielle Aufnahmen vorgesehen sein. Eine Stelle, die bei einem anderen Auto stabil aussieht, kann bei Ihrem Fahrzeug falsch sein und Karosserie, Verkleidung oder Schweller beschädigen.
Suchen Sie deshalb nach:
- der Darstellung der Wagenheberpunkte in der Betriebsanleitung;
- Markierungen oder Aussparungen am Fahrzeug, sofern die Anleitung darauf verweist;
- Vorgaben zur Form des Wagenheberkopfs oder zur benötigten Auflage;
- Angaben, ob nur der mitgelieferte Wagenheber oder ein bestimmter Werkstattwagenheber verwendet werden darf.
Setzen Sie den Wagenheber nicht an Achsteilen, Auspuff, Kunststoffverkleidungen, dünnen Blechen oder beliebigen Rahmenstellen an, wenn diese nicht ausdrücklich als Aufnahmepunkt freigegeben sind.
Wagenheber, Höhe und Tragfähigkeit
Ein Scherenwagenheber aus dem Fahrzeugzubehör ist meist für einzelne, kurze Einsätze wie einen Radwechsel gedacht. Ein Rangierwagenheber kann je nach Modell komfortabler sein, ist aber nicht automatisch für jedes Fahrzeug oder jeden Aufnahmepunkt geeignet. Entscheidend sind die Angaben des Fahrzeug- und Wagenheberherstellers, nicht allein die Größe oder das Eigengewicht des Werkzeugs.
Kontrollieren Sie:
- ob die Tragfähigkeit zur tatsächlichen Fahrzeuglast und zum vorgesehenen Hebepunkt passt;
- ob der Wagenheber die benötigte Hubhöhe erreicht;
- ob der Kopf formschlüssig oder passend am vorgesehenen Punkt anliegt;
- ob der Fuß vollständig und stabil auf dem Untergrund steht;
- ob das Werkzeug frei von Rissen, Verformungen, Leckagen oder beschädigten Gewinden ist.
Die Tragfähigkeit eines Wagenhebers darf nicht mit der sicheren Abstützung des angehobenen Fahrzeugs verwechselt werden. Für Arbeiten unter dem Auto brauchen Sie zusätzlich dafür geeignete Unterstellböcke oder eine andere freigegebene Hub- und Abstützeinrichtung.
Untergrund und Fahrzeug sichern
Stellen Sie das Auto möglichst auf eine feste, ebene und nicht rutschige Fläche. Weicher Boden kann unter der Last nachgeben; ein Gefälle kann dazu führen, dass sich Fahrzeug oder Wagenheber seitlich bewegen. Unterlegplatten sind keine pauschale Lösung: Verwenden Sie nur eine vom Hersteller erlaubte und für die Last geeignete Unterlage, und legen Sie niemals beliebige Gegenstände zwischen Wagenheber und Fahrzeug-Aufnahmepunkt.
Betätigen Sie die Feststellbremse und wählen Sie bei einem Schaltgetriebe den vom Hersteller vorgesehenen Gang. Bei einem Automatik- oder Doppelkupplungsgetriebe wird üblicherweise die Parkstellung verwendet, sofern die Fahrzeuganleitung nichts anderes vorgibt. Blockieren Sie die Räder, die am Boden bleiben, mit geeigneten Unterlegkeilen entsprechend der Anleitung.
Bevor Sie anheben, nehmen Sie lose Gegenstände aus dem Arbeitsbereich und sorgen Sie dafür, dass sich keine Person im Fahrzeug aufhält. Müssen Sie an einer befahrenen Straße arbeiten, gelten zusätzlich die dort erforderlichen Maßnahmen zur Absicherung des Verkehrs. Wenn die Umgebung nicht sicher kontrollierbar ist, beenden Sie den Versuch und holen Hilfe.
Wagenheber am Auto richtig ansetzen
Gehen Sie beim Ansetzen nicht nach Gefühl vor:
- Legen Sie die benötigten Werkzeuge bereit, bevor Sie das Fahrzeug anheben.
- Suchen Sie den für die geplante Radposition freigegebenen Aufnahmepunkt in der Betriebsanleitung.
- Schieben Sie den Wagenheber so unter das Fahrzeug, dass sein Kopf genau unter diesem Punkt steht.
- Richten Sie den Wagenheber senkrecht aus; sein Fuß muss stabil auf dem Boden stehen.
- Prüfen Sie, ob die Auflagefläche des Wagenhebers zum Aufnahmepunkt passt und nichts dazwischenliegt.
- Heben Sie zunächst langsam an, bis der Kopf Kontakt hat.
- Stoppen Sie und kontrollieren Sie, ob der Kopf mittig und sicher anliegt und der Wagenheber nicht kippt oder seitlich wandert.
- Heben Sie erst weiter, wenn Fahrzeug, Werkzeug und Aufnahmepunkt unverändert stabil bleiben.
Wenn der Wagenheber beim ersten Anheben kippt, knackt, rutscht, sich sichtbar verformt oder der Aufnahmepunkt nachgibt, senken Sie das Fahrzeug vorsichtig ab, sofern dies noch kontrolliert möglich ist. Verändern Sie danach nicht einfach nur die Position um wenige Zentimeter. Klären Sie zuerst anhand der Fahrzeuganleitung, ob der Punkt und der Wagenheber überhaupt zusammenpassen.
Radwechsel und Arbeiten unter dem Auto trennen
Für einen Radwechsel muss das betreffende Rad gerade so weit frei sein, wie es die Arbeit erfordert. Das Auto muss nicht höher angehoben werden als nötig. Lockern Sie Radschrauben oder Radmuttern nur nach der vom Fahrzeughersteller vorgesehenen Vorgehensweise und nur mit geeignetem Werkzeug.
Der Wagenheber allein ist keine Arbeitsstütze. Legen Sie sich niemals unter ein Fahrzeug, das nur auf einem Wagenheber steht, und greifen Sie nicht mit Armen oder Beinen in den Bereich darunter. Sobald Unterboden, Bremsen, Abgasanlage oder andere Bauteile unter dem Fahrzeug bearbeitet werden sollen, muss das Auto auf dafür geeigneten Unterstellböcken oder einer sicheren Hebeeinrichtung stehen.
Auch wenn ein Wagenheber die Last scheinbar problemlos hält, kann ein Stoß, ein Verrutschen des Bodens oder eine falsche Auflage die Situation verändern. Ein Unterstellbock ist daher nicht bloß eine zusätzliche Komfortmaßnahme, sondern übernimmt bei solchen Arbeiten eine andere Funktion als der Wagenheber.
Absenken und danach kontrollieren
Nach dem Radwechsel oder der kurzen Tätigkeit prüfen Sie zunächst, ob sich niemand im Gefahrenbereich befindet und ob Werkzeug, Unterstellböcke und Unterlegkeile nach der vorgesehenen Reihenfolge entfernt werden dürfen. Senken Sie das Fahrzeug langsam und kontrolliert ab. Halten Sie Hände und Füße von den Kontaktstellen zwischen Fahrzeug, Wagenheber, Boden und Rad fern.
Nach dem vollständigen Absetzen kontrollieren Sie:
- ob das Fahrzeug wieder stabil auf allen vorgesehenen Rädern steht;
- ob Wagenheber und Unterstellböcke unbeschädigt sind;
- ob der Aufnahmepunkt, Schweller oder Unterboden eingedrückt, gerissen oder verformt wurde;
- ob der Wagenheber sich ohne ungewöhnlichen Widerstand zurückstellen lässt;
- ob Radschrauben oder Radmuttern nach der Fahrzeuganleitung weiterbehandelt werden müssen.
Bei einem Radwechsel gehört dazu die Kontrolle des vorgeschriebenen Anzugsdrehmoments mit einem passenden Drehmomentschlüssel. Das ist ein eigener Arbeitsschritt und darf nicht durch das bloße Gefühl beim Festziehen ersetzt werden.
Wann Sie nicht weiterarbeiten
Brechen Sie das Anheben ab, wenn eine dieser Bedingungen erfüllt ist:
- Der Boden ist weich, geneigt, rutschig oder nicht ausreichend tragfähig.
- Der passende Aufnahmepunkt ist nicht eindeutig bekannt.
- Tragfähigkeit oder Hubhöhe des Wagenhebers sind unklar.
- Der Wagenheberkopf liegt nur auf einer Kante, Verkleidung oder ungeeigneten Fläche.
- Das Fahrzeug bewegt sich, obwohl Bremse und Räder gesichert sind.
- Der Wagenheber kippt, wandert, knackt oder zeigt Schäden.
- Der Aufnahmepunkt oder Unterboden ist bereits verformt oder korrodiert.
- Sie müssten unter das Fahrzeug greifen, ohne es sicher abzustützen.
In diesen Fällen hilft kein stärkeres Pumpen und kein improvisierter Keil. Senken Sie das Fahrzeug ab, soweit es kontrolliert möglich ist, und wenden Sie sich an einen Pannendienst, eine Werkstatt oder eine andere fachkundige Stelle.
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